Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit der IFA entstanden.
Smart Glasses, die uns im Supermarkt zum richtigen Regal navigieren, KI-Recorder, die in Uni oder Meeting für uns mitschreiben, und Livestreams als Schaufenster fürs Shopping - um das und mehr ging es beim diesjährigen IFA Kick-Off Medien-Event.
Gesundheits-Gadgets sind keine Nische mehr
In der ersten Session ging es um Gesundheits-Gadgets weltweit und eine Studie der GFU. 7 von 10 Menschen weltweit fühlen sich gestresst, und 9 von 10 der Befragten hatten mindestens ein Gesundheits-Gadget, oft auch mehrere.
Hier meine wichtigsten Erkenntnisse:
Es geht von reinem Datensammeln und Tracken hin zu praktischen Empfehlungen, die auf diesen Daten basieren
Wearables wie eine Fitness-Uhr sind Einstiegspunkte in andere Health-Gadgets, wie z. B. eine smarte Waage
Nur 50 % der Leute haben eine elektrische Zahnbürste - die Hersteller sehen das noch als Wachstumsmarkt
Hitzewellen verunsichern Leute wegen der Auswirkungen auf den Kreislauf. Ein Hersteller konnte einen kleinen Run auf Blutdruckgeräte feststellen
Es geht weg von reinen Gadgets, hin zu App-basierten Dienstleistungen, die mittels künstlicher Intelligenz personalisiert werden
Die wichtigsten Gründe für die Nutzung von Gesundheits-Gadgets sind Wohlbefinden, Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit und im Alter länger gesund zu bleiben
Technologie kann uns ablenken und mit Fehlern nerven - aber uns auch helfen, gesünder zu leben.
Erlebnisse statt reine Produkte
In der zweiten Session, aber auch in vielen Folge-Sessions, ging es darum, dass in Zukunft nicht mehr "Fact Sheets" und technische Funktionen verkauft werden, sondern Erlebnisse, die begeistern sollen. Es sollen z. B. keine Backöfen an den Mann und die Frau gebracht werden, sondern die Aussicht auf kulinarische Highlights, die man mit Freunden und Familie genießt. Auch der menschliche Kontakt zwischen Hersteller und uns Nutzern ist für die Firmen wichtiger geworden als reiner technischer Fortschritt.
Nachhaltigkeit ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für Tech-Hersteller
Seltene Materialien wie bestimmte Erden oder Gold müssen teuer importiert werden - dabei schlummern sie längst in unseren Altgeräten. Eine Tonne alte Handys enthält mehr Gold als eine Tonne rohes Gold-Erz. Würde die Tech-Industrie mehr recyceln, könnte sie sich einige der Import-Kosten sparen und wäre so unabhängiger von geopolitisch schwierigen Lagen.
In der Zukunft shoppen wir anders
Tech-Produkte werden nicht mehr gesucht, sondern auf Social Media entdeckt. Inhalte des Herstellers auf TikTok & Co. werden zum "Schaufenster", und Content Creators sollen als "Vertriebspartner" wichtig werden. Ich finde es etwas problematisch, Creator als Verkaufspersonal einzuspannen, denn sie sollen ja unabhängig über Produkte berichten - aber "Social Commerce" wie bei TikTok Shop liegt klar im Trend.
KI-Wearables als Alltagshelfer
In der Session von Meta (Mutterkonzern von Facebook, WhatsApp & Co.) ging es um Smart Glasses, die uns im Alltag begleiten. Sie können uns durch Straßen und Gebäude navigieren, uns an Termine und To-Dos erinnern und mehr. Das Handy wird dann fast nur noch zur Box in der Tasche, über die Internetverbindung und Rechenleistung laufen. Das Smart Wearable soll unser Haupt-Gerät werden.
Was ich besonders spannend finde: Es ist auch ein Barrierefreiheits-Tool für mehr Chancengleichheit und Inklusion. Meine Freunde aus England sehen noch schlechter als ich und müssen oft auf Supermarkt-Mitarbeiter warten, die sie zu den richtigen Regalen führen. In Zukunft können sie einfach zu ihrer KI-Brille sagen: "Führe mich zu den Nudeln, zum Müsli und zum Getränkebereich." Dann bekommen sie eine Audio-Navigation wie in einem Navi. Wie das im Detail funktionieren soll, weiß ich nicht - die meisten Supermärkte sind schließlich nicht mit einem 3D-Scanner erfasst, und Produkte und Layouts ändern sich ständig. Aber das ist mal ein echt sinnvoller Anwendungsfall.
Das Thema Datenschutz war natürlich auch im Gespräch, besonders wegen der eingebauten Kamera. Das Bild soll zukünftig vielleicht nur noch als Punkt-Wolke erfasst werden. Damit kann die KI arbeiten, aber Menschen können kein Bild daraus erkennen. Glasses sind wahrscheinlich nur der Anfang - das Konzept des portablen KI-Assistenten wird sich sicher auf weitere Wearables ausdehnen.
Der virtuelle Mensch - KI-Avatare als neue Benutzer-Schnittstelle
Wir haben schon immer mit anderen Menschen gesprochen - Klicken und Tippen dagegen sind sehr neu. Wie wäre es, wenn die Interaktion mit Technik durch Gespräche gesteuert wird? Dann müsste niemand erst 10-Finger-Tippen und die Bedienung verschiedenster Apps erlernen. So hätten auch ältere Menschen ohne Bezug zu moderner Technik die gleichen Chancen, vom technischen Fortschritt zu profitieren.
Funktionieren soll das über sogenannte "virtuelle Menschen" - KI-Avatare. Sie sollen Fragen beantworten und Dinge für den Nutzer erledigen können. Da war z. B. ein Kunst-Museum, das einen bekannten Maler als KI-Charakter erstellt hat. Besucher können ihm Fragen zu seinen Kunstwerken stellen. Diese Technik ist aber noch lange nicht ausgereift: In der Demo vor Ort hat man deutlich gemerkt, wie lange die KI für eine Antwort gebraucht hat. Ein echter Mensch schweigt nicht nach jeder Frage für eine halbe Minute, bis er die Antwort komplett fertig formuliert hat. Dazu kommt das "Uncanny Valley" - dieser Grusel-Faktor, wenn etwas halb künstlich und halb menschlich wirkt. Als die KI gebeten wurde, sich auf Deutsch vorzustellen, hat sie gesagt, dass sie keine Kamera hat und daher nicht sehen kann - eine komplett falsche Antwort. Trotzdem: eine spannende Technologie, die man im Blick behalten sollte.
KI-Stimmen klingen schon extrem realistisch
Die Demo von ElevenLabs zeigte, wie realistisch KI-Stimmen heutzutage klingen können. Man schreibt einfach einen Prompt, wie die Stimme klingen soll - welcher Akzent, welche Intensität, von Flüstern bis Schreien, und vieles mehr. Das ist cool für Firmen und Kreative, aber vielleicht das Aus für die Voice-Acting-Branche oder für Menschen, die Fernsehbeiträge und Dokus vertonen. Wir sollten im Publikum raten, welche Stimme nicht von einer KI generiert wurde - es gab keine einheitliche Meinung. Am Ende stellte sich heraus: Sie waren alle KI-generiert.
Mitschreiben war gestern!
Schreibst du im Meeting Protokoll, oder schreibst du als Studentin in der Uni mit? Das musst du bald nicht mehr. Plaud hat Notiz-Gadgets, die alles für dich aufnehmen, transkribieren (Audio-zu-Text-Konvertierung) und strukturieren. Du kannst die KI dann fragen: "Welche Aufgaben hat mein Chef mir gestern im Einzelgespräch gegeben?" oder "Was war noch mal die Hausaufgabe von der Vorlesung letzten Donnerstag?" Mit verschiedensten Protokoll-Vorlagen, persönlichem Vokabular für Fachbegriffe und mehr nimmt es dir viel Arbeit ab.
Natürlich musst du dir bei privaten Gesprächen vorher die Erlaubnis zum Aufnehmen einholen. Um die Daten musst du dir aber wenig Sorgen machen: Die Sicherheitsstandards sind so hoch, dass auch Ärzte oder Anwälte damit arbeiten können, die ja ständig mit vertraulichen Gesprächen zu tun haben.
Bei Lern-Veranstaltungen wie Vorträgen oder Seminaren mache ich mir lieber eigene Notizen in Form eines Whiteboards, wo die Konzepte visuell verknüpft sind - so behalte ich sie besser im Kopf. Aber für Meetings, spontane Ideen oder persönliche Gespräche auf Events finde ich das richtig nützlich.
Ich habe eines der Geräte zum Testen bekommen - der Erfahrungsbericht folgt in ein paar Wochen.
Fazit
Erst mal danke an die IFA für das tolle Event! Mit meinem alten Blog "Saskis Nerdtalk" war ich früher jedes Jahr dabei. Nach 5 Jahren Schreibpause jetzt mit GeekLady wieder hier zu sein, fühlt sich an wie Nachhause kommen. Das waren wirklich spannende Einblicke, Trends und Demos - ich bin schon gespannt, was es im September bei der IFA zu entdecken gibt.









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