Es ist Homeoffice-Tag. Du willst nur kurz per Remote Desktop auf dem Büro-PC ein paar Klicks durchführen und zack - das Bild friert ein. Dein alter, 2020 aus Not fürs Corona-Homeoffice gekaufter PC kommt nicht hinterher. Alle paar Wochen erschrickt dich ein Piepton - ein Bauteil ist vielleicht kurz vor dem kaputtgehen. Ein neuer PC muss her.
Genau das war meine Situation. Damit begann eine mehrwöchige Jagd nach dem richtigen Gerät. Ich möchte dich auf den Weg mitnehmen und dir meine Erkenntnisse mitgeben, damit du auf dem Weg zum nächsten PC weniger Stress hast als ich.
Phase 1: Welches Gerät darf es sein?
Ich hatte zuvor einen All-in-One PC, der zwar auf dem Schreibtisch klobig wirkte aber platzsparender war als ein großer Tower-PC. Früher hatte ich Laptops aber die waren für mich nicht sehr ergonomisch, da ich mich wegen meiner Sehbehinderung über die Tastatur beugen musste. Ein Convertible sollte her - mobiler als ein All-in-One Klotz aber ergonomischer als ein klassischer Laptop.
Ich habe herausgefunden, dass KI-PCs Funktionen wie "Eye Contact" Korrektur anbieten (Windows Studio Effects), was für Videocalls hilft, da ich nicht gut in die Kamera schauen kann.
Ich hate aber nur ein Budget von 600-700€, also war ein High-End Gerät eigentlich nicht drin. Ich würde aber einen tollen Deal bekommen, was ich da aber noch nicht wusste.
Meine Tipps für deine Auswahlphase
Damit du das Gerät findest, das für dich wirklich passt,
richte dich nicht rein nach technischen Spezifikationen sondern nach Anwendungsfällen in deinem (Arbeits-)Alltag
schieße dich nicht auf ein bestimmtes Modell ein, weil es gerade ein zeitlich beschränktes Angebot gibt. Lass dich nicht unter Druck setzen und nimm dir die Zeit fürs Vergleichen und Reviews lesen/schauen.
halte dich an dein Budget, auch wenn es für 100 Euro mehr verlockende Upgrades gibt
Phase 2: Die Jagd
Ich habe es auf HP Convertibles von 2024-2025 eingegrenzt. Ich hatte zwei HP Envy x360 Angebote auf BackMarket im Visier aber musste noch für die letzten 200 Euro auf meinen nächsten Zahltag warten. Wenige Tage nachdem ich die Angebote auf BackMarket zu meinen Favoriten hinzugefügt habe, waren sie ausverkauft. Ich war so enttäuscht.
Ich entschied mich dann dazu, von BackMarket zu Kleinanzeigen.de zu wechseln, auch wenn ich bei Privatverkäufen eher skeptisch war, wenn es um teure Elektronik ging. Ich fand da einen HP Envy x360 und ließ ihn mir für 10 Tage reservieren, dann war mein Zahltag aber immer noch nicht in Sicht. Die Reservierung lief aus und jemand anderes schnappte sich das Gerät. Ich war frustriert.
Ich fand ein OmniBook X Flip mit Ryzen 5 von einem lokalen Shop auf Kleinanzeigen und sagte ich würde vorbeikommen wenn ich das Geld hätte - aber dann fand ich es: Ein OmniBook Flip X mit Ryzen AI 7 für 630€. Das Angebot kam von einem Top-bewerteten Verkäufer, der das Gerät nur 4 Monate im Einsatz hatte und die Originalverpackung und Garantie-Dokumente besaß. Ich habe ihm sofort eine Anzahlung angeboten und er schrieb mir zurück "Ist mir zu unsicher". Ich war wieder mal enttäuscht. Jetzt würde mir wieder jemand ein tolles Angebot vor der Nase weg schnappen.
Am nächsten Tag checkte ich die Anzeige alle halbe Stunde und merkte: er hatte den Preis auf 600€ gesenkt - für einen fast neuen, hochwertigen 2in1 Computer. Um mich von den anderen Interessenten abzuheben habe ich etwas gemacht, das gegen meine Interessen als Käuferin ging: Ich habe ihm geschrieben, dass er den Preis nicht weiter senken sollte. Ich erklärte ihm, dass OmniBook eine Produktbezeichnung ist, die für viele Jahre nicht verwendet wurde und die Leute daher nach Envy oder Spectre suchen. Ich erklärte ihm dass selbst 630€ ein Mega-Schnäppchen waren, da solche Geräte gebraucht gern mal für 750-850€ (bei BackMarket bis zu 950€) weggehen. Er war von meiner Ehrlichkeit und fachlichen Einordnung so positiv überrascht, dass er mir das Gerät reserviert hat, bis ich es kaufen konnte. Da war ich froh, dass ich die vorherigen Angebote verpasst habe. Jetzt bekomme ich mehr Power für weniger Geld.
Meine Tipps für deine "Jagdphase"
Damit du keine guten Angebote verpasst, hier meine Erkenntnisse:
Lege dich nicht auf eine Plattform fest, sondern schaue auf verschiedenen Marktplätzen.
Gebraucht und Refurbished Geräte, solange sie in gutem Zustand sind, bringen einen großen Preisvorteil und kaum Nachteile. Jemand hat sie schon über Monate getestet, weshalb ein "Montagsgerät" bzw. Konstruktionsfehler fast ausgeschlossen sind
Sei ehrlich und uneigennützig - das schafft Vertrauen und gibt dir die Chance auf eine gute Verständigung mit dem Verkäufer
Keine Angst vor Privatverkauf. Solange der Verkäufer gut bewertet wurde und nicht erst seit gestern auf der Plattform ist, ist das Risiko vor Betrug oder defekter Ware gering, wenn auch nicht Null.
Phase 3: Das Warten und der Kauf
Die Reservierung war fest vereinbart und er meinte "kein Stress" als ich versprach, sofort zu kaufen, wenn das Geld da ist. Die Jagd war vorbei, jetzt war zähes Warten gemischt mit intensiver Vorfreude angesagt. Plötzlich, ein Tag früher als gedacht, hatte ich das restliche Geld. Er wollte Paypal oder Instant-Überweisung, was mich erst zögern ließ. Aber weil die Bewertungs-Siegel "Top Zufriedenheit" und "Zuverlässig" in seinem Profil standen, gewährte ich ihm den Vertrauensvorschuss und schickte per Instant-Überweisung das Geld. Kurz später kam die Sendungsnummer. Jetzt noch mal warten, noch mal Vorfreude - gemischt mit der Sorge ob das tolle Teil heile ankommt. Es war plötzlich Samstag und ich stand im Hausflur um den Paketboten abzufangen. ich wohne im Hinterhaus und da finden Lieferanten mich manchmal nicht. Er kam rein und meinte "ich habe leider nichts für Sie" - selbst nachdem ich ihn meine Sendungsnummer und den Personalausweis gezeigt habe. Obwohl ich sonst eher zurückhaltend bin, habe ich hier mal nicht locker gelassen bis er noch mal geschaut hat und - "oh sorry, da ist doch ein Paket...". Ich trug es rein, packte es aus und befreite den Laptop-Karton aus Schichten von Luftpolsterfolie mit richtig großen Luftpolstern. Das Gerät war (und ist) in Top-Zustand.
Meine Tipps für deine Warte- und Versandphase
Damit in der vorletzten Phase alles gut läuft:
vertraue gut bewerteten Verkäufern wenn er ein anderes Zahlungsmittel möchte, aber nur wenn du ein gutes Gefühl dabei hast und die Kommunikation zwischen euch stimmt. Du sparst dann die Gebühr für den Käuferschutz und der Verkäufer bekommt gleich sein Geld, dafür kannst du es später nicht mehr mit einem Klick zurückfordern wenn etwas nicht stimmt.
Fang den Boten ab wenn du in einem versteckten Teil des Hauses wohnst. Du willst ein teures Gadget nicht einem unbekannten Nachbarn anvertrauen. Sei hartnäckig wenn er meint, nichts für dich zu haben.
Phase 4: Der Einrichtungsstress
Da stand nun mein tolles neues Gadget, auf das ich lange hingefiebert habe. Aber: ich hätte es am liebsten zum Fenster raus geschmissen:
weil ich wegen meiner Sehbehinderung die Textgröße erhöht habe, wurden alle Websites im Tablet-Modus angezeigt
Mein Steam Passwort, dass ich nur alle 5-6 Jahre beim PC Wechsel brauche, war mit einer nicht mehr genutzten E-Mail Adresse verknüpft
Mein Akku ging nach 3-4 Stunden leer. Ich fand später heraus: meine Notiz-App Obsidian wurde als Spiel erkannt und der Gaming-Boost Modus war deshalb dauerhaft an
Endlich lief Steam und ich wollte ein Spiel spielen, das auf meinem alten Gerät wegen glitchender Bodentextur schwer spielbar war. Und was war: "Grafik-Hardware nicht erkannt" und ich bekam auf meiner tollen Radeon 860M nur einen Frame die Sekunde.
Bei der Remote Desktop Verbindung zum Büro-PC war alles winzig klein, weil ich vor Ort einen 21 Zoll Bildschirm verwende, was natürlich viel größer ist als 14 Zoll.
Ohne es zu ahnen, brütete ich im Hintergrund bereits einen Infekt aus, was sich auf Energie und Frustrationstoleranz auswirkte. Ich wollte weinen vor Frust und Erschöpfung - und musste meine aggressiven Zerstörungsfantasien (Laptop boxen, zertrampeln, gegen die Wand klatischen) im Griff halten, die ich eigentlich sonst nie habe.
Wie ich es gelöst habe
Falls du ähnliche Probleme hast, hier sind meine Lösungen, die ich durch KI-Chats und Experimente herausgefunden habe:
Den Standardbrowser auf 80% Zoom stellen (das ist für mich groß genug wenn ich die Systemschrift schön groß gestellt habe). Dann gibt es genug Pixel um Websites im Desktop Mode anzeigen zu lassen.
Beim Steam Passwort habe ich die Domain wieder gekauft, unter der mein altes E-Mail Passwort lief. Die 5 Euro waren es mir wert, kein langes Formular auszufüllen und dann darauf zu warten, dass Valve meine Identität bestätigt.
Ich habe in der "HP Omen" App das Notizprogramm "Obsidian" aus der Spielebibliothek genommen, weil es ja kein Spiel ist. Jetzt ist kein Dauer-Boost mehr aktiv, was den Akku schont.
Bei dem Spiel, das nicht lief, musste ich in den Grafik-Einstellungen die Grafik-Engine ändern, da ein altes DirectX meine relativ moderne Grafikkarte nicht erkannte. Jetzt läuft das Spiel flüssig - die Welt spiegelt sich im Meer und ich mache Wellen, wenn ich durch Pfützen laufe.
Remote Desktop war am schwierigsten. KI hat mir tausend mal "Smart Scaling" und andere Einstellungen empfohlen, die aber nicht gegriffen haben. Ich saß Stunden dran. Die Erhöhung des Zooms auf dem Remote-Gerät hat für eine Session geholfen aber sobald ich im Büro ein Fenster größer gezogen habe, hat wieder die alte Skalierung gegriffen. Jetzt nutze ich einfach die Windows Bildschirmlupe um meinen Mauscursor herum (die Lupe des lokalen Geräts, nicht des Remote-Geräts - die laggt ein bisschen).
Meine Frustration legte sich, aber die Begeisterung, die ich in der Wartephase hatte, hat sich auch nicht wieder eingestellt.
Phase 5: Die Zufriedenheit
Vorfreude ist die schönste Freude. Um ein Ziel zu erreichen, pumpt uns unser Gehirn mit Dopamin voll, das uns motiviert. Wir sind begeistert. Ist das Gerät da, sagt unser System: Ziel ist erreicht, wir müssen keine Motivations-Botenstoffe mehr abfeuern. Die Begeisterung flacht ab und die Arbeit der Ersteinrichtung (die oft auch nervig sein kann) rückt in den Vordergrund. Aus dem aufregenden neuen "Spielzeug" wird schnell ein vertrautes Arbeitsgerät. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich dachte das Hochgefühl, das ich bei der Reservierung des Mega-Angebots verspürt habe, würde sich in den ersten Stunden der Nutzung nochmal einstellen.
Wenn der Einrichtungs-Frust weg ist, stellt sich zwar nicht der Rausch der Vorfreude ein, aber eine tiefe Zufriedenheit. Wenn ich meinen Laptop mit aufs Sofa nehme, kann ich immer noch nicht ganz glauben, dass das ein vollwertiger PC ist. Für mich war ein PC in den letzten 6 Jahren ein Ort, wo man hingeht - nicht ein Objekt das man mitnimmt. Spiele liefen und statt matschigen Texturen und Grafikfehlern konnte ich Schatten, Spiegelungen und Details genießen. Das Gerät wurde auf dem Sofa zum "MIni-Kino" - denn für jemanden, die Videos sonst nur auf dem Handy schaut, sind 14 Zoll ein großer Sprung.
Whiteboard-Sessions waren und sind ein Highlight. Ich kann mit der linken Hand per Stylus Inhalte erstellen und mit der rechten Hand per Maus das Whiteboard bewegen. So komme ich richtig in den kreativen Flow.
Meine Tipps für deine Eingewöhnungsphase
Damit nach dem Ende des "Jagdfiebers" nicht der Tiefpunkt kommt, hier einige Tipps:
Probiere Dinge aus, die du auf deinem alten Gerät nicht oder nur eingeschränkt machen konntest
Stelle nicht den Anspruch an dich selbst, alles an einem Tag einrichten zu müssen. Nimm dir erst mal nur die wichtigsten Anwendungen vor und teile die Arbeit so auf, damit du nicht erschöpft und ungeduldig wirst
Genieße die Vorfreude - sie ist das größte Hochgefühl, das du im Bezug auf dein Upgrade jemals bekommen wirst. Wenn es erst mal da ist, wird es schnell vom "Traum-Gadget" zum Gebrauchsgegenstand.
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