Spiele entwickeln ohne Programmieren: Warum ich als Softwareentwicklerin auf GDevelop setze

Du träumst davon, dein eigenes kleines Spiel zu bauen – hast aber noch nie eine Zeile Code geschrieben und die Vorstellung, dich erstmal durch ein Programmier-Tutorial zu quälen, nimmt dir schon die ganze Lust? Ich verstehe dich. Und ich sage dir gleich etwas, das dich vielleicht überraschen wird: Ich bin gelernte Softwareentwicklerin, arbeite hauptberuflich mit Code – und trotzdem entwickle ich mein aktuelles Hobby-Projekt komplett ohne Programmierung. Mit GDevelop.

Kurzer Hinweis vorab, damit das klar ist: Das hier ist keine Werbung. Ich bin einfach selbst zahlende Nutzerin von GDevelop – und zwar nicht, weil die kostenlose Version nicht reichen würde. Für Hobby-Projekte reicht sie völlig aus. Ich zahle nur, weil mein aktuelles Projekt mehr als 4 Spieler pro Multiplayer-Lobby braucht.

Warum No-Code, obwohl ich Code kann

Klingt erstmal widersprüchlich, oder? Aber die Sache ist die: Im Job habe ich schon genug mit Code zu tun. Wenn ich abends oder am Wochenende an eigenen Spielideen bastle, will ich mich nicht auch noch da durch Syntax kämpfen. Bei meinen Hobby-Projekten sollen Ideen und Spielmechaniken im Fokus stehen, nicht der Code. Dazu kam ein ganz praktischer Grund: Mein letzter PC war ziemlich alt und langsam, und ich wollte eine Engine, die im Browser läuft statt lokal Ressourcen zu fressen. GDevelop hat beides erfüllt.

Ich bin da keine komplette Neulingin, was Spieleentwicklung angeht – ich habe schon mit 16 mit GameMaker rumgebastelt. Aber GDevelop hat mich überrascht, weil es sich in den letzten Jahren richtig weiterentwickelt hat: Was früher eine reine 2D-Engine war, bekommt inzwischen immer mehr 3D-Funktionen. Und trotzdem ist GDevelop im Vergleich zu Engines, bei denen man programmieren können muss, noch längst nicht so bekannt, wie es sein sollte.

Was mich an GDevelop wirklich begeistert

Die fertigen Behaviours. Plattformer-Charakterbewegung, Smooth Camera Follow, 2D-Physik – alles schon eingebaut, alles nimmt dir eine Menge Arbeit ab. Statt selbst zu berechnen, wie sich eine Spielfigur beim Springen verhalten soll, ziehst du das Verhalten einfach auf dein Objekt und passt ein paar Werte an. Das ist der Moment, in dem sich No-Code richtig gut anfühlt.

Aber – und das gehört zur Ehrlichkeit dazu

No-Code heißt nicht automatisch „kein Kopfzerbrechen“. Bei meiner letzten Entwicklungssession fürs Abschlussprojekt sind mir Objekte „rumgeglitcht“ – ein Multiplayer-Ownership-Timing-Problem. GDevelop bietet fortgeschrittene Features wie Multiplayer inklusive Lobby-System und Synchronisation an, aber sie sauber in die eigene Spiellogik einzubauen, kann richtig knifflig sein – auch wenn du dir „nur“ Event Sheets zusammenklickst statt Code zu schreiben. Ich habe an einem Samstag fünf Stunden am Stück an diesem einen Bug gesessen. Fünf Stunden, für ein Problem, das ich mit klassischem Code wahrscheinlich schneller eingekreist hätte, weil ich da genau sehen kann, was passiert.

Das sage ich dir nicht, um dir die Lust zu nehmen – sondern weil ich möchte, dass du realistisch reingehst. No-Code macht den Einstieg leichter, aber „leicht“ heißt nicht „ohne Herausforderungen“.

Wie du am besten anfängst

Wenn du bisher nur vom Spieleentwickeln geträumt hast, hier mein konkreter Tipp: Fang klein an. Mein erstes Game-Jam-Spiel war ein simples Schieberätsel mit 2-3 Leveln – nichts Aufwendiges, aber ein fertiges, spielbares Ding, auf das ich stolz war.

Apropos Game Jam: Nimm an einer GDevelop Game Jam teil. Das sind wenige Tage intensiver Entwicklung, mit einer klaren Deadline und meistens einem Thema als Vorgabe. Genau dieser Rahmen hilft dir, aus dem „irgendwann mal“ rauszukommen und tatsächlich etwas fertigzustellen. Für den Einstieg in die Engine selbst gibt es zwei richtig gute Ressourcen: den YouTube-Kanal von GDevelop mit soliden Tutorials, und die Beispiel-Projekte direkt in der Engine, die du als Vorlage nehmen oder einfach durchklicken kannst, um zu verstehen, wie andere ihre Event Sheets aufgebaut haben.

Du musst nicht programmieren können, um ein eigenes Spiel zu bauen. Du brauchst eine Idee, ein bisschen Geduld für die Momente, in denen etwas glitcht – und den Mut, mit etwas Kleinem anzufangen. Worauf wartest du noch? Schnapp dir GDevelop, schau dir ein Tutorial an und bau dein erstes kleines Schieberätsel.

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